Premiere: 23.08.2008 - 20.30 Uhr
Cantus Buranus - Werk II

Kaum ein anderes, nördlich der Alpen entstandenes, Kunstwerk begleitet uns nicht nur so lange und kontinuierlich, sondern auch in so vielfacher Gestalt wie die mittelalterliche Liedersammlung Carmina Burana aus dem frühen 13. Jahrhundert. CarI Orffs Fassung von 1937 revolutionierte die Möglichkeiten der klassischen Musik, seit den Siebzigern gibt es zahlreiche Versuche einer Rekonstruktion im mittelalterlichen Gewand. Die Berliner Band Corvus Corax wirft nun abermals ein neues Licht auf die Carmina Burana, indem sie sich mit den alten Texten auf eine musikalische Wanderung durch die Jahrhunderte begibt und den "CANTUS BURANUS" erschuf.

Im deutlichen Gegensatz zur damals tonangebenden akademischen Aneignung mittelalterlicher Musik, verleibte sich Corvus Corax das Repertoire des 12. bis 15. Jahrhunderts aus der Perspektive der Spielleute ein. Aus Lust am Austausch mit einem lebendigen Publikum wurden Spielweisen und Musizierhaltungen bewusst in Einklang mit heutigen Hörgewohnheiten gebracht. Indem die Band mit Dudelsäcken, Schalmeien und Schlaginstrumenten über Marktplätze und Dorfanger tingelte und Freud´ und Fluch des Spielmannslebens am eigenen Leib zu spüren bekam, räumte sie das Mittelalter von unten auf.

Seit ihrer Gründung 1989 beschäftigten sich Corvus Corax immer wieder mit einzelnen Stücken der Carmina Burana. Mit ihrer Neuvertonung ausgewählter Stücke aus der mittelalterlichen Handschrift Carmina Burana auf einem kompletten Album unter dem Titel "CANTUS BURANUS" überwinden Corvus Corax zeitliche, räumliche und akustische Barrieren und dringen mit Wucht und Leidenschaft in unendliche Weiten einer neuen alten, weltumspannenden Musik vor. Gemeinsam mit dem Chor, dem Babelsberger Filmorchester und Generalmusikdirektor Jörg Iwer als Dirigent spannen Corvus Corax einen gewaltigen Bogen vom Mittelalter über die klassisch-romantische Tradition bis Rock und Pop.
Die Wucht des gemeinsamen Auftritts all´ dieser Ebenen ist überwältigend. Über die klassischen Klangabgründe des Sinfonieorchesters erheben sich die Dudelsäcke und Schalmeien gleich fliegenden Teppichen in schimmernde Höhen. Der Chor und die Vokalgruppe verleihen dieser Interaktion der Klangwelten einen geradezu beschwörenden Charakter. Exotische Instrumente, wie die eigens für dieses Projekt konstruierte größte Drehleier der Welt, entführen den Blick ins Reich der Imagination. Es ist ein Spektakel der Superlative und zugleich eine nie da gewesene Transformation von lebendigem Mittelalter.

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