Wittenberg auf der Bühne

Auf 17 Bühnen in Privatwohnungen und historischen Gebäuden der Altstadt.

Seit dem 16. Jahrhundert ist Wittenberg Ausgangspunkt und Zentrum der deutschen Reformation. Im neuen Jahr 2004 soll als Höhepunkt eine Inszenierung der besonderen Art stattfinden. Fernando Scarpa besinnt sich auf Traditionen aus den italienischen Städten Alberobello, Siena und dem spanischen Pamplona. Dort werden die Einwohner selbst zu Akteuren, indem sie die Besucher in ihre Wohnungen einladen und ihnen Geschichten aus dem eigenen Leben oder dem ihrer Nachbarn erzählen - eine narrative Alltags-Chronik, in deren Verlauf sich der Fremde als Freund fühlen darf.

Hinter den Mauern historischer Gebäude und Wohnungen darf man auf Begegnungen mit geschichtlichen Gestalten hoffen; z. B. Martin Luther, Philipp Melanchthon, Lucas Cranach, Albrecht Dürer, Katharina von Bora. Aber auch die Mit- und Gegenspieler wie Kurfürst Friedrich der Weise, Karl V. oder der Ablasshändler Johann Tetzel gehören zu diesem Spektrum, das sich um zugereiste Gäste wie Michael Kohlhaas und Johannes Faust erweitert.

Erzählt werden Geschichten und Anekdoten rund um die Reformation, aber auch zum Alltagsleben des 16. Jahrhunderts. Der Besucher, der mit einer Eintrittskarte zugleich den Stadtplan mit den eingezeichneten Stationen und 'Pfaden' erwirbt, wird durch die Wahl seiner Route dabei selbst zum Regisseur. Er kann seinen Weg je nach Interesse und Zeit verkürzen oder den gesamten Parcour abschreiten, wobei er in den einzelnen Wohnungen und in den öffentlichen Gebäuden stets nur kurze Szenen - und vielleicht eine Erfrischung - finden wird.

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